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Health Care
Universitätsklinikum Tübingen
Ein Universitätsklinikum im Wandel Die Klinikmanager der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Tübingen nehmen andere Industrien als Vorbild, um die Abläufe in ihrem Haus nachhaltig zu ver- bessern. Seit Anfang des Jahres untersuchen wir gemeinsam, welche Erfolgsrezepte beispielsweise aus der Automobilindustrie auf die Prozesse im Patientenmanagement und Verbrauchs- materialfluss der Klinik übertragbar sind.
Die Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde ist Teil des Universitäts- klinikums Tübingen. Es handelt sich um eine Klinik der Maximalversorgung, in der nahezu alle Erkrankungen von Hals, Nase und Ohr diagnostiziert und behandelt werden können. Dazu stehen den Patienten ca. 300 Mitarbeiter in 4 stationären Bereichen einschließlich Intensivpflege, einer Tagesklinik, einer Poliklinik, einem Diagnostikzentrum und einem Operationstrakt mit 5 Operationssälen mit einer Aufwach-/Intensivstation zur Verfügung. Jährlich werden ca. 4.700 stationäre Patienten behandelt und 4.000 Operationen durch- geführt. Hinzu kommen fast 30.000 Konsultationen bei 10.000 ambulanten Kranken. Die Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde ist außerdem akademische Lehr- und Forschungsstätte der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
„Jeder Patient verdient die bestmögliche Behandlung!“ So der leitende Oberarzt an der HNO-Klinik, Dr. med. Paul-Stefan Mauz. Das setzt den Zugang zu hochwertiger Ausstattung, fortschrittlichen Methoden, best- ausgebildetem und engagiertem Personal voraus, so wie es die HNO-Klinik Tübingen heute ihren Patienten bietet. „Gleichwohl“, so Dr. Mauz weiter, „sind Rationalisierungsmaßnahmen konsequent fortzuführen, wie wir sie in anderen Bereichen des Krankenhauses bereits verwirklicht haben. Von anderen Industrien können wir uns dabei etwas abgucken: Wir versuchen, das in der industriellen Fertigung bewährte Flussprinzip auf die Organisation des Krankenhauses zu übertragen. Das heißt, wir beseitigen Engpässe, vermeiden Doppelarbeit, schaffen kurze Wege und sorgen für logistisch geordnete Abläufe. Das hat nichts mit Billigmedizin zu tun. Wir steigern auf diese Weise die Qualität unseres Tuns – letztlich zum Wohle des Patienten!“
Gemeinsam mit dem Klinikum definierten wir exemplarisch eine OP als Untersuchungs- gegenstand: die Entfernung von Gaumenmandeln in Intubationsnarkose (Elektive Ton- sillektomie*). Dabei wird der gesamte Prozess des zugehörigen Patientenmanagements betrachtet. Gemeinsam mit Mitarbeitern aus Verwaltung, Pflege und Ärzteschaft wird die aktuelle Arbeits- und Ablauforganisation zur Aufnahme, Diagnose, Therapie, Pflege und Entlassung hinsichtlich dieser OP aufgenommen, Prozesskennzahlen ermittelt und die jeweiligen Kostenbausteine verursachungsgerecht zugeordnet. Ein Vergleich mit der zugehörigen Fallpauschale (DRG) erlaubt dann bereits die Aussage, ob im speziellen Fall mit Über- oder Unterdeckung gewirtschaftet wird. Anschließend werden die einzelnen Arbeitsschritte analysiert und optimiert.
Dr. Mauz: “Der Patient berührt während des Durchlaufs durch das Klinikum zahlreiche Schnittstellen, um die sich bisher kaum gekümmert wurde.“ Ein speziell ausgearbeiteter Pfad für die OP der elektiven Tonsillektomie soll daher genau den Ablauf der Indikation und Behandlung festlegen (Clinical Pathway). Das Ziel ist, mit dem durch die Fallpauschale (DRG) als fest definiertem Standarderlös eingenommenem Betrag die durch die Therapie der Patienten auflaufenden Kosten abzudecken und gleichzeitig möglichst einen Überschuss für zukünftige Investitionen zu erwirtschaften. Dazu Dr. Mauz: „Als Maximalversorger haben wir keinen strategischen Spielraum für Entscheidungen, ob bestimmte medizinische Therapieangebote weiter vorgehalten werden müssen oder aus dem Leistungskatalog herausgenommen werden können.“ Wenn diesbezüglich keine Entscheidungsfreiheit besteht, dann hat die Verbesserung der bisher praktizierten Abläufe zwangsläufig absolute Priorität.
Konkrete Ergebnisse sind in diesem Projekt bis Ende Juni zu erwarten.
Andreas Bahr, Agamus Consult
*Chronisch entzündete oder häufig kranke Gaumenmandeln sind ein ständiger Infektions- herd, der den Körper schwächt oder andere Krankheiten hervorrufen kann. Liegt kein Notfall vor, so lassen sich diese Mandeln geplant entfernen (= Elektive Tonsillektomie). Der Kran- kenhausaufenthalt dauert 5-7 Tage. Auch bei sorgfältigster Operation kann es nach der Entlassung zu Nachblutungen kommen. Eventuell muss die Klinik dann erneut aufgesucht werden.
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